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Der WEINbau :: History :: Altösterreich :: Collio und Brda
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Früchte des Südens – Aus dem Collio und der Brda – Olivenöl und Rebula
 
Intervitis Vienna 2011 - Die im April 2011 abgehaltene Messe als zentraler Treffpunkt der Wein- und Obstbaubranche und als Brücke zwischen Ost und West, vereinte als Ansprechforum zumindest sechs im Weinbausektor teilweise ähnlich strukturierte Länder und ihre Winzer. Österreich und seine Nachbarländer Slowenien, Kroatien, Tschechien, Slowakei und Ungarn mit ihren aus dieser Region stammenden Rebsorten wie Veltliner, Zweigelt, Devin, Dunaj, Zelen, Rotgipfler, Plavac Mali, Tokaj, Rebula, Graševina, Neronet, Harslevelü, Furmint oder Lämmerschwanz sind ein großer vielschichtiger Kreis und zusammen eine der bestimmt interessantesten Weinbauregionen der Welt - Mittel(ost)europa.

Der Fokus lag bei dieser Messe nicht explizit auf unserem Nachbarland Italien, da dieses mächtige Weinbauland sich weit in den Süden erstreckt und im Gesamten andere Strukturen im Weinbausektor aufweist.
 
Es ist deshalb für mich ein Anlass über eine Region in Mitteleuropa im geographischen und historischen Kontext zu berichten, einem multikulturellen Raum, der vom heutigen Österreich aus gesehen südlich von uns liegt, aus dem Collio, dem Kirschgarten des Kaisers und aus der Brda. Die gefürstete Grafschaft Görz und damit das Collio war eines der südlichsten Kronländer der Habsburgermonarchie und auf Grund des milden Klimas von jeher Wein- und Obstland.
 
Als im Jahre 1500 das Geschlecht der Grafen von Görz ausstarb, fiel die Region durch einen Erbvertrag an Maximilian I. von Habsburg. Ausgenommen der Zeit der Besetzung durch Venedig und der Okkupation durch Napoleon, gehörte das Collio bis zum 1.Weltkrieg zum österreichischen Kronland , dem „Küstenland“. Diese Teile musste Österreich erst nach dem Ersten Weltkrieg im Frieden zu Saint-Germain (10.9.1919) an Italien abtreten. Von da an wechselten die Wandbilder der Herrschenden in den diversen Haushalten. Dem seit 1900 obligaten Bildnis Kaiser Franz Joseph I. folgten 1915 Vittorio Emmanuele III., 1917 Kaiser Karl und 1918 erneut Vittorio Emmanuele III. Diese mussten 1920 zuerst dem Konterfei Benvenuto Mussolinis weichen, in Folge 1943 verdrängt von Adolf Hitler, 1945 kurzfristig von Marshall Tito und bis 1947 hing Theodor Roosevelts an den Wänden, ersetzt durch Enrico De Nicola, dem neuen Präsidenten der jungen italienischen Republik.
 
1947 erfolgte die brutale Grenzziehung durch Weingärten, Höfe und Felder und ließ das (italienische) Collio und das (slowenische) Brda enstehen. Erst durch den Eintritt Sloweniens 2004 in die Europäische Union enstand wieder ein grenzenloser wirtschaftlicher und kultureller Raum, eine Region die als Einheit durch Jahrhunderte von Grund auf gewachsen war.

Der Collio befindet sich im östlichsten Teil der Region, in der Provinz Gorizia, an der heutigen Grenze zu Slowenien. Das Qualitätswein-
anbaugebiet bekam als eines der ersten in Italien 1968 die Bezeichnung Denominazione d’origine Controllata (Wein mit kontrollierter Herkunfts-
bezeichnung) verliehen. Von den Hügeln von San Floriano und Oslavia oberhalb von Gorizia bis zu jenen von Ruttars, Lonzano und Vencò an den Ufern des Judrio, der einmal die Grenze zwischen Österreich und Italien darstellte, reihen sich liebliche Hügel mit kleinen Dörfern und Weingärten , die sich über ca. 1600 Hektar erstrecken, aneinander. Bekannte Weißweine sind der Pinot, Tocai friulano, Sauvignon und der Collio Bianco, eine DOC Traubenmischung, sowie von den Rotweinen der Collio Rosso, der Cabernet und der Merlot.

60 % des Collio und vor allem auch mit einigen der besten Hügellagen, liegen in Slowenien und hören auf den Namen Brda, auf deutsch Hügel. Die Hügel in Goriška Brda, bedeckt mit fruchtbarer Erde auf Flyschuntergrund, fallen langsam gegen den Süden ins Friaultal.
 
In der Brda kultivierten schon die Römer Ölbäume. Als der gesamte Baumbestand dem strengen Winter 1929 zum Opfer fiel, konnte erst in den späten Siebzigern eine gezielte Wiederaufplanzung beginnen. Der Boden besteht aus Flysch und Sandstein, diese Kombination ist ideal für Olivenhaine. Der Ölbaum kehrt in Brda in den letzten Jahren beschleunigt zurück, darunter auch zwei alte Sorten „drobnica“ und „crnica“. Heute sind wieder mehr als 20.000 Olivenbäume angesiedelt. Die Ölbauern aus dem Collio und der Brda arbeiten fieberhaft an einer gemeinsamen Marke für die gesamte Region Brda/Collio.
 
Seit dem verlorenen Rechtsstreit 2008 gegenüber Ungarn um den Schutz des Namens Tokaj und den damit verbundenen Weinexporten, nennen die Slowenen die Traube nun Sauvignonasse und die Italiener Friulano. In der höher gelegenen Brda entfällt 25% der Weingesamtproduktion immerhin auf die autochthone Sorte Rebula (Ribolla-Gialla-Rebe). Collio-Brda, die Görzer Hügel und ihre Brda-Weine hatten am Wiener Hof einen sehr guten Ruf. "In den Ecken", weil es ganz am Rande der österreichischen Monarchie lag. Heute in Italien ist schon seit bald drei Jahrzehnten das Friaul und vor allem das Gebiet Collio bekannt für die vermutlich besten Weißweine des ganzen Landes.
 
Bei der Olivenölverkostung mit Öl aus dem Collio und der Brda am 25.März 2011 mit Wein- und kulinarischer Begleitung, Prosciutto und Käse, im Slowenischen Kulturzentrum Korotan in 1080 Wien, durfte ich mich über die Qualität der Früchte des Südens freuen. Ich danke Frau. Mag. Christine Casapicola wiedereinmal für Ihre Organisation und vor allem für die entlehnten Textpassagen aus Ihrem hinreißenden Büchlein -“Wein für Wien, Wasser für Štanjel“, der diesen Artikel erst seinen geschichtlichen Abriss gab, um wirklich verstehen zu können, was hier zu genießen war.
 
Prof. Ali Meyer | Editor-in-Chief | Der WEINbau-online | 19. 02. 2017
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