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20 Jahre der Weinbau
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20 Jahre Der WEINbau - Gestern Heute Morgen
 
Ein Rückblick zeigt die kometenhafte Entwicklung unseres kleinen Landes, in dem zwar Wein angebaut wird, dessen Image aber furchtbar war. Heute ist Österreich ein Land an der Qualitätsspitze der Welt. Egal ob bei Weißweinen, Rotweinen oder Weinen der besonderen Lesart, unsere Weine sind ganz oben vertreten. Diese Entwicklung ging ausschließlich von den Weinerzeugern aus: Der österreichische Winzer und niemand sonst bewies, was Lernfähigkeit und Können zu bewirken imstande sind. Aus den Scherben der Fehlentwicklung entstand also ein Heute das ein Phänomen darstellt, nur der Markt hat sich verändert und lässt die Frage offen, welcher Weg in eine erfolgreiche Zukunft führt.
 
Wein wurde zum internationalen Massenprodukt; nicht nur die neuen Weinwelten Australien, Südafrika, Chile usw. liefern aus High-Tech Weinfabriken Massenware an. Die großen Sorten wie Cabernet Merlot Shiraz finden sich in den Supermärkten ab 1,20 Euro. Sogar Baumärkte sind dieser Tage zu Vinotheken herangewachsen, die neben Baustoffen auch ebensolchen Wein anbieten. Die Dimensionen dort sind natürlich andere als bei uns: E & J Gallo füllte beispielsweise in manchen Jahren die doppelte Menge ab als in Österreich die Jahresernte beträgt. Das Bemühen der globalen Player des Weines geht die gleiche Richtung wie das der Nahrungsmittelkonzerne und des Handels: eine Weltmarke mit immer gleichem Geschmack als preiswertes Produkt. Dafür eignen sich nur die bekannten Sorten und hier kann Österreich nicht mitspielen. Und doch ist diese Entwicklung andererseits unsere große Chance! Denn Österreich hat seine Spezialitäten: Der Grüne Veltliner beispielsweise kann nie ein technisches Produkt werden, denn es gibt einfach zu wenig davon. Und wir haben auch Schätze wie den Roten Veltliner, Schilcher, Rotgipfler, Zierfandler, Bouvier, Zweigelt, Neuburger, Sylvaner, Frühroten Veltliner oder Blaufränkisch, die bei hochwertigem Ausbau keinen Vergleich kennen und bereits jetzt ansatzweise weltweite Akzeptanz als Rarität genießen. Sie sind nahezu unendlich entwicklungsfähig. Wie das Wort Rarität schon sagt, müssen bzw. dürfen diese auch etwas kosten. Das nimmt der Käufer auch in Kauf!
 
Nur als ein Beispiel: Vor 15 Jahren war ein Roter Veltliner eher ein „Unwein“ der verschnitten wurde. Heute ist er bei brauchbarer Qualität bereits bei den meisten Betrieben ausverkauft. International gesehen wird der Schilcher von vielen als „Säure“ abgelehnt, in Norwegen allerdings verkauft er sich extrem gut dank der Maßnahmen von Dr. Tisott (wir berichteten). Diese Beispiele sind dehnbar und damit meines Erachtens nach wichtige Bausteine für zukünftigen Erfolg.
 
Welches Potenzial im Rotgipfler steckt, einer Sorte mit Reife und Säure, die Kenner wie in England buchstäblich „umhaut“ und begeistert, muss man selbst erlebt haben. Selbst der verschmähte Bouvier hat mit seinem Namen und seiner Geschichte als leichter Genusswein eine große Zukunft vor sich. Alles was nicht in Massen produziert werden kann, ist unsere Chance. Durch unser Klima und unsere Fähigkeiten können Weinerlebnisse der besonderen Art geboten werden. Eine andere Sorte -wenn auch eine internationale- bei deren Produktion Österreich vorne dabei sein kann, ist der Rheinriesling, von dem die Fachwelt weiß, dass er nicht umsonst als „König der Weine“ beschrieben wird. Diese Sorte bietet sich nicht für 30.000kg-Ernten an und wird deshalb in der Massenproduktion auch nicht forciert.
 
Wichtig für das Heute und Morgen ist die Unverwechselbarkeit - die Note des Jahrgangs, der spezielle Ausbau; denn das steht im Gegensatz zur einheitlichen Massenware. Unser Fehler, der zu überdenken ist, ist das Streben nach Größe und Masse. Unser größter Betrieb Lenz Moser hat 500ha Rebfläche und das gilt sogar in Europa noch als „Kleinbetrieb“. Sinnlose Expansion bringt nur Druck auf den Markt und durch die Handelsabhängigkeit nur geringe Erlöse. Denn der Vertrieb und der Markt, die bereits in der Gegenwart sichtbar sind, verändern sich grundlegend. Das Internet ist heute der größte Markt und die Informationsquelle wo auf Knopfdruck die Welt als Gesamtes offen steht. Wenn vor 10 Jahren jemand gesagt hätte ebay wird das Marktinstrument, das die Kaufhäuser ganz Europas überflügelt, wäre man als Phantast abgestempelt worden. Und wer hätte schon gedacht, dass die Hauszustellung eigens gegründeter Logistikfirmen einmal ganz selbstverständlich sein würde?
 
Addiert man also die Entwicklungen der Gegenwart, zeigt sich der Betrieb der nahen Zukunft als Sortenspezialist, wie es z.B. das Weingut Hofbauer-Schmid in Hohenwarth bereits heute ist. Die Größe, je nach Gebiet von 8 bis 20 Hektar wird mit Einsatz von Kommunikationstechnologie und europaweitem (bzw. weltweitem) Versand gute Erlöse erzielen. (Zu „weltweit“ nur ein Beispiel: das Team Jürgen Knittel und Dr. Tisott agiert in Taiphe, wenn auch in anderen Bereichen und ein Weinversand für wesentliche Importeure war einfach aufzubauen und eine normale Sache) Die Homepages der Betriebe wurden aufgerufen, übersetzt und fertig war die Abdeckung des Internets. Ein weiterer positiver Aspekt der Gegenwart und Zukunft liegt im Bereich „Bio“ und „Naturnah“, allein schon um sich von den technischen Weinerzeugern unterscheiden zu können. Nur müsste einmal eine einzige klare Linie dafür entwickelt werden; die zersplitterten Gruppierungen sind für Konsumenten nicht durchschaubar und in der Werbung einfach nicht darstellbar.
 
Weiter entwickeln kann sich unser Weinbau auch sicher noch im Bereich der Sorten bzw. der Experimente. Ob man diese dann als Landwein deklarieren muss, ist unerheblich - es gibt einige Betriebe, die den „Österreichisch Weiß“ haben und ihn gut verkaufen (jene Sorte, die einst Weltruf genoss und die Grundlage der Kattus-Sekte was, als dieser Betrieb noch ein global Player der „Alten Welt“ war). In der Ampelographie von Goethe (s.S. 46) finden sich heute vergessene Sorten, die einst ganze Weinbauregionen dominierten - da würde für den Nischenweinbau noch genug an Experimenten Platz finden!
 
Österreich als Nischenanbieter von hoher Qualität verbunden mit der aktuellen Kommunikationstechnologie hat eine sichere Zukunft vor sich. Mit der ÖWM wäre auch das Instrument für die weltweite Marktbearbeitung gegeben. Die Hemmsteine dieses Weges liegen nicht bei den Weinerzeugern, sondern in der tradierten, verkrusteten Verwaltungswelt der Legislative...
 
Sepp Baldrian | Herausgeber | Der WEINbau | im Februar/März 2011
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