Das Fachmagazin :: Der Weinbau :: informativ :: kritisch :: praxisnah    
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


NEWS
Das Fachmagazin :: Der Weinbau :: informativ :: kritisch :: praxisnah
 
Eine Verkostung alter österreichischer Weine im Palais Coburg - 10. Juni 2009
 
Das Palais Coburg gehört zu den feinsten - und nicht billigsten - Adressen Wiens. Simon Klocker, Sommelier, ist ein Profi mit Welterfahrung, soviel steht fest. Seine Weinkarte und der Keller mit 60.000 Flaschen liest sich wie das "who is who" aus der Edelwelt des Weines: Rothschild, Lafite und Mouton mit den besten Jahrgängen, die fast überall ausverkauft sind.

Eine Einladung zu einer Degustation von "Altweinen" stach aus der Menge der Alltagspost heraus, war der Anlass Simon Klocker zu besuchen und zu fragen was er sich dabei so dachte. Denn Altweine finden bei uns kaum Interesse, sondern gehören laut der landläufigen Meinung zu der Gruppe fast verdorbener Weine. Ein Interesse dafür zu erwecken, ist mutig und in Österreich (wo wir auf jung und jünger getrimmt sind) ungewöhnlich. In Frankreich hingegen zählt der Jahrgang und ein Wein, der 20 Jahre und älter ist, wird als teure Rarität gehandelt.
 
Allerdings pflegte auch Österreich, vielleicht sogar ganz besonders, die Kultur der reifen Weine bis in 50iger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Was reifer Wein kann, ist unvorstellbar und nicht zu beschreiben. Ich durfte bei Helmut Osberger bis ins Jahr 1938 zurückverkosten - es war geradezu unglaublich! Ein Frühroter Veltliner (?) aus 1956 und ein 1945er Rheinriesling waren Sinneserlebnisse, die für immer prägen. Bei Hans Braborec in Tattendorf kostete ich Blaue Portugieser (?), 20 Jahre und älter, ohne Firn, elegant, edel und ruhig. 30 Jahre alte Zierfandler bei Gebeshuber in Gumpoldskirchen zu probieren lernt auch dem Kundigen erst, was Wein eigentlich an Fülle und Träumen in sich birgt.
 
Dass im alten Adel die Uhren anders gingen, zeigt das Esterhazy über 200 Jahr eine Auslese reifen ließ. Nur diese Zeit ist vorbei, denn unser Wein-Image von jung & frisch dominiert und wenn ein Weinunkundiger (und das sind die meisten) einen 4 Jahre alten Federspiel probiert, ist es ihm nicht zu verdenken wenn er alles was "alt" ist nie mehr probiert. Bewusst reife Weine zu produzieren grenzt - rein von der Wirtschaftlichkeit- an Selbstmord, denn besonderes Lesegut nach dem Stahltank im Holzfass bis zur Flaschenreife ohne Eingriffe über lange Zeiträume zu lagern kostet Geld. Dann wieder jahrelang die gefüllte Flasche einzulagern zu pflegen, die Korken zu wechseln, laufend zu probieren ob die Endreife erreicht wird, ergäbe Ab-Hof-Preise mit einer Untergrenze von zumindest 30 Euro - nur wer soll das für einen "alten Wein" bezahlen?

Es wäre ein interessantes Segment, mit experimentierfreudigen und "unwirtschaftlich" denkenden Winzern bewusst eine kleine Charge im Sinn von reifen Weinen zu produzieren. Beim Schwefel nicht zu sparen, auf Schönungen so weit als möglich zu verzichten, am Lager zu lassen und immer wieder zu prüfen, usw.
 
 
Simon Klocker jedenfalls möchte einer Elite der Kenner und jenen die es werden wollen, zeigen, dass reife Weine etwas absolut besonderes sind, und dass in Österreich ein großes Potenzial dafür vorhanden ist Es wäre auch verlockend, ein Archiv von reifen Weinen aufzubauen, das allerdings ist ein schwieriger Weg. Da müssten Kriterien festgelegt werden, viel an Weine muss alleine für Proben verwendet werden, es muss erklärt werden, dass dann bei fast jeder Flasche die Nuancen verschieden sind. Reizvoll wäre es trotzdem, zu zeigen, dass es etwas gibt das außerhalb jeglicher Vorstellungskraft liegt – aber durchaus auch eine Flasche verdorben sein kann.
 
Bericht | Wir werden über den Ausgang und das Interesses an dieser Degustation berichten. | Sepp Baldrian
Impressum | Kontakt | Onlinehaftung | AGB |Der Weinbau auf Facebook |Der Weinbau auf Twitter Der Weinbau auf Twitter Der Weinbau auf Facebook | Bookmark and Share

Copyright © 2008-2019 - all rights reserved - designed and powered by ali meyer media services templates by ali meyer